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Gambia-Fachtag zwischen Euphorie und Skepsis

250 Menschen diskutieren über die geänderte Situation

Nur wenige Tage vor dem Fachtag am 21. Januar ist das Unglaubliche Wirklichkeit geworden. Nach großem internationalem Druck hat Diktator Yahya Jammeh das Wahlergebnis doch anerkannt. Die große Frage des Tages war nun, wie es in Gambia weitergeht und was dies für gambische Flüchtlinge bedeutet.

Der Fachtag begann mit Vorträgen mehrerer gambischer Flüchtlinge und von Rechtsanwalt Manfred Weidmann. Hierbei wurde intensiv auf dem Podium und durch zahlreiche Wortmeldungen von GambierInnen aus dem Publikum über die aktuelle Situation in Gambia und die Auswirkungen der Wahl für gambische Flüchtlinge in Deutschland diskutiert.
Einerseits herrschte die Hoffnung, dass sich die Situation in Gambia nun endlich verbessere und in Zukunft keine Menschen mehr das Land verlassen müssen. Andererseits wurde von vielen GambierInnen betont, wie labil die Lage weiterhin ist, welche Macht Jammeh und seine Schergen auch nach dem Regierungswechsel haben und wie viel Zeit ein demokratischer Wiederaufbau benötigen wird. Auch herschte Uneinigkeit, ob Adams Barrow überhaupt der richtige Mann dafür ist.

Nachmittags vertieften die Teilnehmenden ihr Wissen in sieben Workshops: Von der Vorbereitung auf die Anhörung über die Situation gambischer Flüchtlingsfrauen bis zur Ideensammlung, wie private und staatliche Unterstützungshilfe für Gambia aussehen kann.

Im Unterschied zu allen angefragten CDU-Kandidaten hatte Anette Groth (MdB, die Linke) zugesagt, Fragen der Teilnehmenden an die Bundespolitik zu beantworten. Bei den Fragen wurde auch der Frust vieler gambischer Flüchtlinge über die Umstände in Deutschland (fehlende Sprachkurse, Ausschluss von Fördermöglichkeiten, Angst vor Abschiebungen) und die unverständlich niedrige Anerkennungsquote deutlich.

Zum Abschluss eines langen Tages brandete noch einmal Applaus auf, als Birgit Hummler, Mitorganisatorin der Gambia Aktionswoche, die Resolution des Workshops „politische Weiterarbeit“ verlas. Sie fasste zusammen, worüber sich alle ExpertInnen des Tages einig waren: Die Politik müsse vernünftig auf die geänderte, aber weiterhin unsichere Situation in Gambia reagieren und einen Abschiebestopp für Gambia verfügen. Vielmehr müsste die Chance zur Unterstützung beim demokratischen Wiederaufbau genutzt werden. Die Maxime müsse lauten: „Die Fluchtursachen bekämpfen – nicht die Flüchtlinge.“

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